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Alt 01.11.2018, 10:31
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Zitat von AndreasB Beitrag anzeigen
Mir ging es mehr darum, zu lesen, was z.B. ein erfahrener CMS-Entwickler für einen Output liefern würde, wenn er vom Spiegel den Auftrag bekäme "Liefere uns hochwertigen, gut wartbaren modernen Code. Fasse Deine Ziele in Form von Guidelines gut verständlich zusammen."
Die das CMS dort installieren, legen auf solche Mirkooptimierungen keinen Wert. Warum das so ist hatte ich versucht zu erläutern.

Es liegt einfach daran, dass die meisten Entscheidungsebenen andere Anforderungen haben und nicht, wie du es darstellst "vor sich hinwerkeln". Es geht darum viele Anforderungen zu verknüpfen, dabei spielen die Kosten eine wichtige Rolle. Es geht also darum Arbeitsaufwand, für die Inhalte einpflegen, für die die die Technik adminstrieren, die die Marketing einbinden müssen und die, die den HTML Code erzeugen gering zu halten. Du betrachtest davon nur einen Prozess. Den der QS. Da sitzen aber i.d.R. nur recht gering bezahlte Kräfte.

Ich kann dir sagen, egal wie toll dein HTML ist, irgendwann kommt einer und will ein Element an Stelle x oder eine Einblendung von Anbieter Y der zig tausend Euro in Werbung bezahlt, die aber grottenschlechtes HTML ausliefert und dann trotzdem deine Seite nicht kaputt machen darf. So kommen solche Konstrukte zustande.

Oder auch, wie ich es selbst erlebt habe, der Dienstleister XYZ der das CMS "SuperEnterprise" (natürlich kein OS) installiert, hat vor Ort nur ein paar Mediengestalter im Preis, die nach ein oder zwei Jahren abgezogen werden. Ich spreche hier von einer grossen UNI, wo zig-tausend Studenten, etliche Institute und tausende Mitarbeiter seit vielen Jahren am "werkeln" sind. Ich hatte nach der Umstellung dort etlich Anfragen gestellt, um auf grobe Fehler hinzuweisen. Habe dabei aber gemerkt, dass die, die dort sitzen, wenig fundierte Kenntnisse über techn. Entwicklungen hatten. Wichtig war vor allem, Facebook, Twitter und Instagram einzubauen. (und Slideshows die sich bewegen) Das war ca. 2012 - mittlerweile hat man gemerkt, dass das Datenschutzrechtlich nicht so toll war und vieles wieder deaktiviert.

Im Backend sitzen dann Sektetärinnen oder Techniker, die in ihrem eigentlich Aufgabenbereich nicht ausgelastet sind und dann Institutsseiten betreuen "dürfen". Die haben i.d.R. Null Kenntnisse über HTML und den Aufbau einer Webseite. Die klicken zusammen was geht und was die Profs fordern.

Dann komen noch dazu immer wieder Studenten, die viel können und die "altbackenen" Seiten bemängeln, Riesenkonzepte haben und nach wenigen Wochen merken, das ist im laufenden Betrieb gar nicht machbar. Du bräuchtest noch fünf zusätztliche Stellen, um die Inhalte sinnvoll zu pflegen - diese gibt es aber nicht. So bleiben unfertige Bruchstücke übrig, die manchmal toll aussehen (wo das HTML/CSS aber auch keinen interessiert hat, weil der tolle Student mit irgendwelchen fertigen Frameworks aus dem Internet das zusammenbastelt hat) aber nie mehr neue Inhalte eingebaut werden, weil es keiner mehr kann.

Das sind alles Erfahrungen in einem öffentlichen Kontext, der gross ist und wo es im Laufe der Jahre mehrere wechsel der CMSe gab. Der ausgelieferte Code wurde zwar deutlich besser (sowas wie validität war davor völlig egal), aber deine Vorstellungen eines anspruchsvollen Code wurde nicht in Ansätzen - auf keiner Ebene- berücksichtigt. Du findest auf der startseite kein einziges HTML5 Element und etliche Ebenen DIVs.

Ein grosser Unterschied zu SPON ist, dass dort kein Geld verdient werden muss, an der Uni gibt es keine Vermarktung.

Diese ist aber neben den Inhalten bei SPON wichtig und die interessieren sich noch weniger für solche technischen Details (das wollte ich mit den Flashinhalten erklären - Werbeagenturen interessieren sich nicht für HTML Code). Denen kommt es auf Klicks an - auf Zahlen, die sie den Agenturen anbieten können (Kampagnen werden in normalen Brot&Butter Werbeagenturen ausschließlich mit Medienzahlen geplant). Dazu wenden die, die solche Inhalte letztlich ausliefern müssen Methoden an die Klicks erzeugen und dabei spielen die Aspekte wie "wartbarer Code" keine Rolle.

Die Medienfachfrau, die Fehler am Ende ausbügeln soll kostet nur 'n Appel&Ei (zwischen 1900-2900 brutto) und das ist der Punkt wo du deine Kritik ansetzt. Aber auf dieser Ebene gibt es niemand der deinen Standpunkt vertritt und genug Gewicht hätte. Auch nicht die, von denen du sprichst. Die Entwickler des CMS sind nur die Dienstleister einer Agentur, die die Software vermarktet und die erfüllen die Wünsche der Kunden.

Wobei die Software eine Templatesprache hat (wie sie Cloned gezeigt hat), die fertigen Templates kommen wieder von einer anderen Stelle u.U. sogar von mehreren. Dort dann Änderungen vorzunehmen erfordert einen Entscheidungprozess der viele Ebenen betrifft und solange du keine Argumente hast, warum eine Änderungen ganz wichtig ist (und die mit Zahlen belegen kannst) solange wird sich niemand trauen diese durchzuführen.

Denn eine Änderung kann dazu führen das plötzlich an anderer Stelle etwas nicht stimmt, die Seite nicht mehr angezeigt wird, eine bestimmte Werbung nicht mehr sichtbar ist, ein google Ranking schlechter wird oder was auch immer, was den Konzern viele tausend Euro kostet. Die Guidelines kommen daher eher aus dieser Ebene und die ist nicht an schönheit des Codes interessiert, er muss einfach funktionieren.

Das alles(!) und nicht ein einzelnes davon, sind die Ursache dafür, dass der HTML Code von solch komplexen Konzernen oft grottenschlecht sind. Aber umso erstaunlicher ist, das sie überhaupt funktionieren.

Du must auch sehen, dass im vergleich zu anderen Techniken, das internet relativ jung ist. Du brauchst viele, sehr viele Menschen die ausgebildet werden müssen, du brauchst Definitionen von Ausbildungsinhalten und du brauchst Lehrer dafür. Das alles innerhalb knapp 10 Jahren aufzubauen ist eine Leistung.

Das aber noch manches im argen liegt nicht verwunderlich. Denn die, die wirklich richtig gut sind, sitzen natürlich in Berlin in irgendwelchen Hipster Internetfirmen und hoffen darauf, von Microsoft, Facebook oder Amazon für viele Millionen gekauft zu werden. Die haben kein interesse an einem Handlangerjob bei Spiegel für 1500 Netto.
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